EINS ZU EINS Festival

07.10.2020 - 10.10.2020

EINS ZU EINS ist ein Festival für Theater, Performance, Bildende Kunst, Film, Musik und Diskurs auf dem Gelände der ehemaligen Münzprägeanstalt der DDR, ALTE MÜNZE Berlin. Ausgehend von seinem historischen Austragungsort setzt sich das Festival mit dem Freilegen, Dokumentieren, Abwickeln und Umschreiben von DDR Geschichte(n) auseinander und rückt die vielfältigen Auseinandersetzungen zeitgenössischer Künstler*innen, insbesondere der sogenannten Nachwendegeneration und der letzten Generation Ost in den Vordergrund. Mit welchen Perspektiven blicken sie auf DDR Geschichte, 30 Jahre nach 1990? Von welchen Narrativen wird die Geschichtsschreibung der Deutschen Einheit noch heute dominiert und von welchem Verständnis geht eigentlich der Begriff Wiedervereinigung aus?

Mit dem Titel EINS ZU EINS bezieht sich das Festival auf den Umtauschkurs (Mark der DDR zu DM) und verweist auf den unnachgiebigen Versuch zu vergleichen, anzupassen, aufzuwiegen, sowie die Unmöglichkeit, zwei Staaten, ihre Bewohner*innen und ihre Geschichten vereinfacht in Beziehung zu setzen. Ab dem Sommer 1990 transportieren Bargeldtransporter der Bundesbank 460 Tonnen DM in den Osten, während zur gleichen Zeit die Vernichtung der Mark der DDR eingeleitet wurde. Von nun an werden in der ALTEN MÜNZE Berlin DM, später dann € geprägt. Seit 15 Jahren ist die Münzproduktion eingestellt. Heute entsteht ein Kulturstandort.

Das Festival EINS ZU EINS gruppiert sich somit auch um ein spezifisches historisches Ereignis des Verschwindens. Mit der flächendeckenden Einführung der DM als alleiniges Zahlungsmittel in Ostdeutschland verschwindet 1990 nicht nur die Mark der DDR, sondern auch das Wirtschaftssystem, dessen Instrument sie war. Im übertragenen Sinn steht die Einführung der DM nicht nur für die Abwicklung einer Währung, sondern auch eines Erfahrungsraumes. Von solchen Erfahrungsräumen handeln die eingeladenen künstlerischen Arbeiten: sie widmen sich marginalisierten Perspektiven, erproben emanzipatorische Ost-Narrative und befragen gängige Erzählweisen. Vom wenig besprochenen Erbe der DDR Aktionskunst, dem Ende des Stahlkombinates in Brandenburg oder den Schicksalen ehemaliger Vertragsarbeiter*innen aus sozialistischen Bruderstaaten. Zwischen Realposie, fiktionalisierten Lebensläufen, und einem immersiven Serienformat zur (Re-)Konstruktion von Geschichtsverläufen, erkunden die Performances, Installationen, Filme und Gespräche Praktiken des Erinnerns und machen Unerhörtes hörbar. Dabei laden die künstlerischen Arbeiten das Publikum ein, gemeinsam auf die Vielschichtigkeit der historischen Prozesse zwischen Einheit und Ver-un-einigung zu blicken.

Programm:

DIESEN MANGEL NEHMEN WIR PERSÖNLICH # AUS DEN ANWESENDEN ARCHIVEN (Performance)
Adele Dittrich Frydetzki & Ko

ROT ODER TOT (Sprechtheater)
Carolin Millner und die Gruppe Eleganz aus Reflex

BLÜHENDE RANDSCHAFTEN * STAHL (Sprechtheater) Lunatiks

MIT ECHTEN SINGEN (2): SEI GEGRÜßT,
BEGRÜßUNGSGELD! (Konzert Performance) Tanja Krone, Friedrich Greiling (Mittekill) und Johanna-Yasirra Kluhs

WABE [] OST (audiovisuelle Installation) Caroline Creutzburg

RESONANZ (Improvisationsformat für wechselnde Teilnehmer*innen und Gäste) Anna Zett, Hermann Heisig, Jule Flierl und Kristof Trakal

1000 SERPENTINEN ANGST (Lesung) Olivia Wenzel

IM STILLEN LAUT (Film) Therese Koppe

PREPARATIONS (Film) Kristof Trakal

BECOMING BLACK (Film) Ines Johnson-Spain

ALLE WERDEN FALLEN (Konzert)

GESCHICHTE(N) VERSAMMELN (Diskurs)
Mit Adele Dittrich Frydetzki, Tanja Krone, Caroline Creutzburg und Therese Koppe

DIE ANDERE MUSIK (Gespräche und Musikhören)
Klangerinnerung ans letzte DDR Jahrzehnt, mit Sarah Marrs, Henryk Gericke und weiteren Gästen

REAL ESTATE AS CURRENCY (Performativer Talk) Vienne Chan

EXPO 2000
Henrike Naumann (Installation und Gespräch)

COIN DROP (Installation) Malte Bartsch

MADGERMANS (Videoinstallation & Videogespräch mit José Alfredo Cossa)
Malte Wandel

AFTER SCARCITY (Videoinstallation)
Bahar Noorizadeh

TBA
Samatha Bohatsch (Installation & Performance)

 

Künstlerische Leitung Bastian Sistig & Max Brands Mitarbeit Kuration Lina Brion, Katharin Ahrendt
Produktionsleitung Chiara Galesi Mitarbeit Produktion Nara Virgens Social Media Clara Schulz Presse: Kerstin Böttcher
Technische Leitung Florian Fink Gestaltung Peter Behrbohm Webseite Anton Steenbock

Das Festival wird ermöglicht durch die Spartenoffene Förderung für Festivals uns Reihen der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, durch die Bezirkskulturförderung Mitte, das Nationale Performance Netz und die ALTE MÜNZE BERLIN. Eine Koproduktion der Spreewerkstätten mit der &sistig GbR. Mit freundlicher Unterstützung durch das Historische Konzernarchiv der KfW Bank und das Archiv der Deutschen Bundesbank.

Räume

Akteure & Initiativen

Zentrale Lage

Molkenmarkt 2
10179 Berlin

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